Die Geschichte des Rotwildes im Bayerischen- und Böhmerwald
von Wolfgang Bäuml

(Vortrag am 9.12.1988 im Waldgeschichtlichen Museum St. Oswald)


Verwendete Literatur:
Veröffentlichungen von Ingeborg Seyfert; Ulrich Wotschikovski; Wolfgang Schröder; Leo Siegl; Chat Sevetinski; Graf Silva Taruca; verschiedene Forsteinrichtungen der Staatsforstverwaltung und Dr. Götz von Bülow


Inhalt
- Überblick über die europäischen Rothirschvorkommen
- Geschichte des Rothirsches im Bayerischen-/Böhmerwald.


Die Art Rothirsch ist von Natur auf die nördliche Hemisphäre begrenzt und kommt hier in Europa nördlich der Sahara, in Asien und in Nordamerika in 16 Unterarten vor.

Der europäische Rothirsch wurde von Menschen in die südliche Hemisphäre nach Argentinien, Chile, Australien und Neuseeland und auch nach USA verbreitet, wo unser Rothirsch großes Kolonisationsvermögen und hohe Konkurrenzkraft gegenüber anderen Arten zeigt.

Wir können davon ausgehen, dass der Rothirsch in vorgeschichtlicher Zeit und vor dem Sesshaftwerden der Menschen in Mitteleuropa flächendeckend, aber in relativ geringen Dichten vorkommt.
In sehr naturnahen Rotwildgebieten Ost- und Südosteuropas ist der Rothirsch mit 1 bis 3 Stück /1000 ha vertreten. Mit solchen Dichten können wir auch bei uns zur damaligen Zeit rechnen.
Regulierend auf den Rothirschbestand dürften sich das begrenzte Nahrungsangebot im vollständig bewaldeten Mitteleuropa - die Ebene der pflanzlichen Produktion liegt im Wald im Bereich der Baumkronen; am Boden wird sehr wenig verwertbare pflanzliche Nahrung produziert - und auf Grund dieser geringen Dichte die natürlichen Räuber, vor allem der Wolf, ausgewirkt haben.

Eine bedeutende Ernährungsfunktion des Rothirsches für den Menschen der damaligen Zeit, von der immer wieder geschrieben wird, kann nur vor dem Sesshaftwerden der Menschen, bei einer allerdings ganz geringen Menschendichte gegeben gewesen sein.
Seit der Mensch an festen Plätzen wohnt und Ackerbau betreibt, finden sich zwar überall Rothirschknochen - und diese machen den größten Teil der gefundenen Wildtierknochen aus - erreichen aber kaum mehr als 1,5 % der insgesamt gefundenen Knochen, inkl. Haustierknochen.

Im Laufe der menschlichen Kulturgeschichte nimmt das Verbreitungsgebiet des Rothirsches in Europa aus landeskulturellen, politischen und jagdpolitischen Gründen auf etwa 8 % seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes ab.

Es gibt heute den Rothirsch in Europa in etwa 300 isolierten Einzelvorkommen. Die 5 größten sind in Norwegen, der Alpenraum, das Donaubecken, die Karpaten und das schottische Hochland, mit insgesamt etwa 550.000 Stück Rothirsche. Auf solche Inselvorkommen zurückgedrängt, zeigt der Rothirsch enorme Anpassungsfähigkeit: Er lebt sowohl im vom Menschen entwaldeten Schottland und ernährt sich dort unter anderem auch von Seetang an der Atlantikküste; er lebt in Auwald- und Sumpfgebieten entlang der Donau oder ganzjährig im Gebirge, aus dem er eigentlich im Winter herausgezogen ist - bevor der Mensch kam.

Insgesamt leben in Europa heute kapp 1 Million Rothirsche; etwa ¼ davon wird jährlich genutzt.

Bemerkenswert dabei ist, dass die Rothirschdichten in den Industrieländern Europas sehr hoch liegen und mit sinkendem Entwicklungsstand und sinkender Menschen-/Bevölkerungsdichte abnehmen.

Beispiele:
- Großbritannien: Etwa 10 Stück100 ha
- Bundesrepublik Deutschland/Österreich: etwa 2 bis 4 Stück/100 ha
- Rumänien: Weniger als 1 Stück pro 100 ha.

Innerhalb der europäischen Rothirschvorkommen kann man 5 Zustände definieren, in denen sich diese Vorkommen aus der Sicht der Population-Regulation befinden:

- Wildnisähnliche Gebiete: Die Rothirschdichte ist gering; sie ist durch die verfügbare Nahrung und vor allem durch den Wolf begrenzt. Der jagende Mensch wirkt sich wolfähnlich aus. Diese Situation dürfte bei uns bis ins Mittelalter herauf bestanden haben.
- Gebiete mit beginnender forstlicher Nutzung: Hier gibt es ein steigendes Nahrungsangebot; die Dichten steigen; der Wolf hat nur noch einen gewissen Einfluss, er kann den Rothirsch nicht mehr regulieren.
- Gebiete in denen der Wolf reduziert, bzw. ausgerottet ist: Die Rothirschdichte nimmt weiter zu und wird schließlich vom Nahrungsangebot limitiert.
- Gebiete, in denen der Rothirsch auf bestimmte Bereiche räumlich beschränkt und mit Fütterung gebunden wird: Die Bestände steigen weiter an; die Produktivität der Tiere ist gering; der Abschuss erreicht nur einen Teil der Gesamtsterblichkeit; die Schäden durch den Rothirsch sind hier am größten.
- Regulation durch Abschuss: Die Rothirschdichte wird heruntergenommen; das Verhältnis Nahrung/Hirsch regelt sich ein; der Abschuss erreicht die Höhe der Gesamtsterblichkeit; die Population ist am produktivsten.

Ich gehe deshalb so ausführlich auf diese Situationsbeschreibungen, in denen sich der europäische Rothirsch in den Einzelvorkommen befindet, ein, weil unser Rothirschvorkommen nämlich im Bayerischen- und Böhmerwald im Laufe seiner Geschichte genau die gleiche Entwicklung durchgemacht hat.
Und jetzt bin ich beim Thema:
Die Geschichte des Rothirsches im Bayerischen- und Böhmerwald.

Wir können davon ausgehen, dass in vorgeschichtlicher Zeit, also vor Besiedelung des Gebietes und bevor die Menschen beginnen Dinge aufzuschreiben, der Rothirsch flächendeckend aber in geringen Dichten vorkommt. Dafür spricht die totale Bewaldung des Gebietes. Das bedeutet begrenztes Nahrungsangebot- und der regulierende Einfluss von Wolf und Bär. Von dem zahlenmäßig geringen Anteil von Rothirschknochen, z. B. auf ausgegrabenen menschlichen Siedlungsplätzen entlang der Donau, habe ich bereits gesprochen.

Dabei dürfte das Rotwild bei uns das Gebiet des Bayerischen- und Böhmerwaldes das ganze Jahr hindurch nicht flächendeckend gleichmäßig genutzt haben, sondern die höheren, schneereichen Lagen im Winter verlassen und z. T. bis zur Donau, bzw. ins Böhmische Becken hinausgezogen sein.
Einer über das ganze Gebiet verteilten Rothirschpopulation während des Sommers steht eine ungleichmäßigere Verteilung während des Winters gegenüber.
Entsprechend der späten Besiedelung unseres Gebietes haben wir auch erst spät schriftliche Nachweise.
Das sind einmal alte Flurnamen wie Hirschenstein, Hirschkopf, Sulzberg, Leckerriegel, Hirschensteig, usw., die auf ein flächendeckendes Rothirschvorkommen hinweisen sowie Jagdrechnungen, Regelungen des Jagdausübungsrechtes, Berichte über Jagdstreitigkeiten und direkte Jagdschilderungen.
Die ersten, schriftlichen Berichte setzen im 14./15./16. Jahrhundert ein - so z. B. auf der Bayerischen Seite:
- 1344 bestätigt Kaiser Ludwig der Bayer dem Kloster Niederaltaich den "Großen Wildbann", also die Hohe Jagd, zu der der Rothirsch gehört. Zu Niederaltaich gehörten sowohl Gebiete im Vorwald, als auch im Inneren Wald (Rinchnach).
- 1568 wird im Erbrechtsbrief des Joachim Poschinger für das Glashüttengut Zwieselau, das große Wildbret ausdrücklich ausgenommen.
- 1659 gibt es Beschwerden wegen Wildfallen für die Hirsche im Eisensteiner Gebiet.
- 1582 fordert Abt Paulus von Niederaltaich, dass auch die Klosterjäger von Rinchnach und St. Oswald sich an die bestehenden Jagdzeiten-Ordnung für Rotwild, Sauen und Hasen zu halten haben.

Von der böhmischen Seite zeichnet uns Graf Silva Taruca "ein plastisches Bild vom Werdegang, der Blüte und der Vernichtung eines hervorragenden Wildstandes".
Dort finden sich erste, definierte Nachrichten über den Rothirsch in einer Abschussstatistik aus dem Jahre 1665: Es wurden auf den Herrschaften Krumau und Winterberg 27 Hirsche erlegt.

Sowohl für den Bereich des Böhmerwaldes als auch für den Bayerischen Wald verdichten sich in der Folgezeit die Berichte über den Rothirsch. Das Interesse der damals Jagdausübenden steigt, was sich vor allem im Böhmischen sehr gut nachvollziehen lässt, da das Gebiet seit 1719 den Schwarzenbergern gehört. Auf der Bayerischen Seite ist das Jagdrecht bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts übersichtslos zersplittert und daher Wildvorkommen und Abschussergebnisse nicht nachvollziehbar.
Auf das Fürstbischöflich-Passauergebiet dürfen wir eine bessere Dokumentation der Jagdgeschichte bis 1803 vermuten; sie ist allerdings noch nicht vollständig ausgewertet.

Allen drei Gebieten ist um 1700 eines gemeinsam: Der Rothirschbestand steigt auf Grund des vermehrten Nahrungsangebotes durch die Waldbewirtschaftung, durch die Landwirtschaft und einer intensiven Jagd vor allem des Wolfes - wegen Schäden am Weidevieh und auch um ganz gezielt den Bestand an nützlichem Wild zu fördern.
Diese Entwicklung kann sehr gut für den Bereich der Herrschaften Winterberg und Krumau des Fürsten Adam Franz Schwarzenberg beobachtet werden.
Von 1690 bis 1723 werden dort 38 Bären, 364 Wölfe, 27 Luchse, etc. erlegt, während Rotwild kaum erwähnt wird.
In der Folgezeit nimmt der Abschuss an Raubwild stetig ab bis um 1750 nur noch sporadisch Wölfe, Bären oder Luchse erlegt werden, also praktisch ausgerottet sind. Längst ist der Rothirschbestand jeglicher Regulation entwachsen. 1719 schreibt Fürst Adam Franz Schwarzenberg, als er seine Herrschaft von den Eggenbergern übernahm und versuchte Ordnung in seine Besitzungen zu bringen: "Wir haben uns die Unordnung und Konfusion, welche Ihr (Jägermeister Drescher von Kadan) auf den Krumauschen Herrschaften, sowohl in der Holz- als in Wildbahn gefunden, gutermaßen eingebildet und wünschten nur, dass wir noch um 15 oder mehr Jahre jünger wären und Ihr desgleichen, damit man besser hoffen könnte, dasjenige zu genießen, was wir einrichten müßen...."
Es kam viel schneller als erwartet - der Rothirsch wächst den Schwarzenbergern über den Kopf: 1733 werden auf Krumau und Winterberg über 2.600 Stück Rothirsche gezählt!
In dieser Zeit werden sogar eingestellte Jagden abgehalten, an denen sich auch Fürstin Eleonore beteiligt.
1732 erschießt Kaiser Karl VI, den damaligen Schwarzenberger Fürst Adam Franz, während einer Hirschjagd (Jagdunfall).
Fürstin Eleonore jagt noch einige Jahre bis 1736. In diesem Jahr sind aber die Schäden der Rothirsche an den Feldern der Schwarzenbergischen Untertanen so unerträglich geworden, dass die Fürstin einen verstärkten Abschuss der Rothirsche anordnet. Welchen Einfluss dabei der Polnische Sukzessionskrieg (1732-1735), der auch als Grund für die Reduktion mit aufgeführt wird, hatte, mag dahin gestellt sein.
Der Rothirschbestand nahm in der Zeit darauf gewaltig ab; in Krumau z. B. von 2600 auf 553 Stück, etc.

1741 wird der Sohn von Fürst Adam Franz, Fürst Josef Adam mündig, übernimmt die Regierung seines Hauses und erlässt 1742 einen Befehl zur gänzlichen Schonung der Rothirsche.
20 Jahre später gibt es die gleiche Situation wie 1736. Die Rothirsche hatten sich wieder so vermehrt, die Schäden so zugenommen, dass der gleiche Fürst Josef Adam 1764 befielt, "den gemeinschädlichen Hochwildbestand herabzumindern".

Graf Silva Taruca kommentiert die Schwarzenberger Jagdgeschichte des 18. Jahrhunderts so: "Die Schwarzenberger des 18. Jahrhunderts haben ihren herrlichen Wildbestand und die angeborene Freude am edlen Waidwerk, dem noch edleren Gefühl der Verantwortlichkeit des Grundherrn für das Wohl und Wehe seiner Untertanen und dem menschenfreundlichen Mitgefühl mit der Not der Bevölkerung in harter Kriegszeit zum Opfer gebracht".
Das Rotwild nimmt gegen Ende des 18. Jahrhunderts ab. Trotzdem befiehlt 1817 Fürst Josef Adam, die Rothirsche im Böhmerwald ganz auszuschießen, nachdem durch die häufigen Einfälle verwegener Raubschützenrotten aus Bayern Leben und Eigentum seiner Jäger immer mehr gefährdet wurde.

Ich bin nicht ganz sicher, ob dies auch gelungen ist. In Wittingau und Frauenberg, hat sich ein Bestand an Rothirschen im 19. Jahrhundert erhalten. Im eigentlichen Böhmerwald, zieht sich die Ausrottung zumindest lange hin: 1848 wurden z. B. 28 Stück und 1849 41 Stück geschossen. Interessant ist, dass man vorher immer weniger gezählt hatte, als anschließend geschossen wurden.

Es ist nicht geklärt, ob die Rothirsche tatsächlich ausgerottet wurden. Das erste und sehr ausführliche Forsteinrichtungs-Oparat 1837/38 erwähnt Rothirsche nicht.

Jedenfalls wird 1874 am Kubany ein 70 ha großes Hirschgatter gebaut um Rothirsche zu vermehren und wieder einzubürgern.
In dieses Gatter kamen der berühmte Hirsch "Hansl" aus Frauenberg und zwei Schmaltiere aus der Herrschaft Warlik. 1875 wurden aus dem fürstlich Fürstenbergischen Gatter "Lana" 4 Stück dazugekauft.
1877 kam ein Stück aus der Herrschaft Tetschen des Grafen Thun-Hohenstein.1878 wurde Hansl gewildert und durch einen Achter aus Schwarzenau (Niederösterreich) ersetzt. Weiter kamen drei Stuck und zwei Kälber aus Cernoviv bei Tabor hinzu.
1878 wurde im Spätherbst das Gatter geöffnet und 29 Stück Rothirsche entlassen.
Im Gatter verblieben ein Hirsch, 2 Stuck, 1 Schmalstuck und 1 Kalb. 1880 kam der berühmte "Rabauker" aus der Bukowina hinzu. 1882 wurde das Gatter ein zweites und letztes Mal geöffnet und 11 Stück Rotwild Rothirsch entlassen. Der "Rabauker" wurde wegen Bösartigkeit wieder zurückgeschickt.
Im gleichen Jahr schießt ein Schwarzenberger den 1. Hirsch in freier Wildbahn.
Die Rothirsche vermehren sich in der Folgezeit so, dass bereits ab 1895 auf Bayerischer Seite in Spiegelau und Mauth wieder Rothirsche erlegt werden.

In der Folgezeit nimmt der Bestand auf Böhmischer Seite beständig zu; auf Bayerischer Seite wird es als Standwild nicht geduldet und einwechselnde Rothirsche geschossen. Während des ersten Weltkrieges war der böhmische Bestand wieder rückläufig und stieg in den 20er/30er Jahren unseres Jahrtausends wieder an.
1932-1939 wurden z. B. auf Bayerischer Seite auf dem Gebiet des späteren Nationalparks 107 Stück erlegt; von 1940-1943 bereits 223 Stück.
In den 50er Jahren - nach wiedererlangter Jagdhoheit - wurden im Bayerischen Wald konsequent Rothirschgehege eingeführt und betrieben: Fütterung und damit verbunden eine räumliche Beschränkung des Rotwildvorkommens auf den eigentlichen Sommerlebensraum. Auslösendes Moment war der strenge Winter 1952, als die Rothirsche wegen der Schneelage aus dem Staatswaldbereich auswechselte und in den angrenzenden Privatjagden geschossen wurden.
Als 1956 die gleiche Situation drohte, wurde eine Kette von Fütterungen im Staatswald angelegt, um das Wild dort örtlich zu binden - Nach Auffassung der damals Verantwortlichen das einzig sinnvolle Management, mit gleichzeitiger Verringerung der Verbiss- und Schälschäden. Möglicherweise unterschätzte man damals die Unsicherheiten bei den jährlichen Wildzählungen an den Fütterungen. Die Bestandshöhen wurden zu niedrig angesetzt und damit die Abschussplanung.
Jedenfalls hinterließ die Zeit der intensiven Rothirschhege allein auf dem Gebiet des heutigen Nationalparks ca. 600 ha zu 100 % geschälter Fichtenbestände - Wildschäden, die noch vor der Gründung des Nationalparks den damals Verantwortlichen veranlasste, die "Ausbürgerung des Rotwildes" wegen der immensen Schäden vorzuschlagen.

1968 wurde mit einer neuen Landesverordnung zum Bayerischen Jagdgesetz die Möglichkeit geschaffen, Rothirsche im Rahmen von Hegegemeinschaften zu bewirtschaften. Dabei können die Wanderbewegungen des Wildes besser berücksichtigt werden.

Die fünfte und letzte Stufe des Rothirsch-Managements setzt ein - Regulierung durch Abschuss: Die Dichte wird unter die Lebensraumkapazität gesenkt, die Kondition der Tiere steigt und damit Ihre Fertilität und wiederum damit der Zuwachs der Population.
Um die Wildschäden im eigentlichen Wald zu begrenzen und um ein Auswandern des Rotwildes in die tiefer liegenden Privatreviere zu verhindern, werden Wintergatter angelegt, in denen der Rothirsch mit großem Aufwand über die Winter gebracht wird; allerdings auch mit geringstem Aufwand reguliert werden kann.

Der Rothirschlebensraum ist heute gesetzlich abgegrenzt: Von Zwiesel, entlang des Grenzkammes bis Neureichenau steht dem Rothirsch ein schmaler, enger Lebensraum zur Verfügung. Von Natur aus nutzt der Rothirsch dieses Gebiet nur im Sommer; während des Winters würde er abwandern; heute wird er eingesperrt. Alle Rothirsche, die sich über die Grenze des Rotwildgebietes hinauswagen, werden erschossen. Aus der Sicht des Rothirsches eine unbefriedigende Lösung.
Eigentlich müsste man, um den Rothirsch bei uns wieder seinen kompletten Lebensraum zurückzugeben, die Gatter auflösen und das Wild ins Vorland herausziehen lassen.

Dazu müsste das Jagdrecht geändert werden, um die vom Rothirsch verursachten Schäden zu verteilen; das könnte man z. B. mit einem Rothirsch-Schadensfonds tun. Desweiteren müssten wir uns darüber im Klaren sein, dass mit einer Vergrößerung des Rotwildgebietes nicht gleichzeitig eine Aufstockung der Rothirschbestände möglich ist, sondern nur eine Vervollständigung seines Lebensraumes bedeutet.
Darüber hinaus müsste ein Weg gefunden werden, wie die Bestandshöhe zuverlässig erfasst wird und die Abschüsse verteilt werden können.

Wir sollten darüber nachdenken, der Tier- und Wildart Rothirsch in Zukunft artgerechte Lebensverhältnisse zu schaffen, wie sie bis vor ungefähr 200 Jahren dem Rothirsch bei uns noch möglich waren.

Wolfgang Bäuml