Geschichte
des Naturschutzes im Böhmerwald
Michal Valenta
Bereits im 14. Jh. schlägt
Karl der IV. vor, die riesige Waldfläche an der böhmisch-bayerischen
Grenze zu erhalten, wobei dies allerdings nicht aus Naturschutzgründen
geschieht. Späteren Herrschern, im 15. bzw. 18. Jh., liegt
die Tierwelt, insbesondere der Bär, am Herzen. Der Schutz
des Böhmerwaldes beginnt erst im 19. Jh., geprägt vom
Einfluß der Romantik, richtig Fuß zu fassen.
Fürst von Schwarzenberg besiegelt
1858 den Vertrag zur Erhaltung des Boubín-Urwaldes,
des drittältesten Waldstücks Böhmens zum
erstenmal spielen wissenschaftliche Ziele eine große Rolle.
Dieses Gebiet wird später (1933, 1958) auf 670 ha vergrößert
und steht heute noch als Symbol des Böhmerwaldes.
Nachdem 1922 das Buková-Filz
als Naturschutzgebiet erklärt worden ist, folgen 1933 Weitere,
u.a. die Hochmoore Rokytská slat´ (Weitfäller
Filz) unterhalb des Rachel und Jezerní-Filz (Seefilz) bei
Kvilda sowie das Gletscherkar des Plöckensteinsees mit autochthonen
Fichtenwäldern stattlichen Alters zwischen Plöckenstein
und Dreisessel.
1948 folgt dann Mrtvý luh (die Tote Au) im Moldautal,
obwohl bereits 1942 ein vorbereiteter Vorschlag für einen
"Nationalpark Böhmerwald" gescheitert ist.
1963 entsteht das großflächigste Naturschutzgebiet
der damaligen Tschechoslowakei der CHKO umava, mit
1.630 qkm von Vyí Brod im Südosten
bis nach St. Katerina im Nordwesten.
1970/71 werden die west- und südböhmischen CHKO-Verwaltungen
in Suice bzw. in Vimperk gegründet: organisierter Umweltschutz
sowie Besuchermöglichkeiten, wie z.B. die Moorlehrpfade in
Jezerní slat´ bei Kvilda oder in Chalupská
slat´, sind das erfreuliche Resultat.
Erst 1985 können weitere
Naturschutzgebiete dem CHKO umava hinzugefügt werden
(z.B. die Moldauquelle, zahlreiche Hochmoore im Moldautal, aber
auch das Blanice-Flussgebiet, einige Urwaldreste oder Flächen
mit geschützten Pflanzenarten wie Böhmerwald-Enzian
oder Weißkrokus).
Im Jahr 1989 bringt der
Fall des Eisernen Vorhangs neues Leben in das Grenzgebirge. 1990
wird der CHKO umava als Biosphärenreservat von UNESCO
anerkannt.
In den 90ern erlebt der Böhmerwald
dann die Wandlung vom Grenzland mit sehr beschränkten Möglichkeiten
zu einem sehr attraktiven mitteleuropäischen, grenzübergreifenden
Schutzgebiet, das in der Erklärung zum Nationalpark 1991
seinen Höhepunkt findet.
Der Nationalpark umava heute
Der NP umava wird im Jahr
1991 per Regierungsverordnung Nr. 163 zum großflächigsten
Nationalpark der CR erklärt. Das NP-Gebiet mit 69.030 ha
erstreckt sich vom Zelezná Ruda im Nordwesten bis Zvonková
am Osthang des Hochfichts im Südosten mit einer Länge
von ca 70 km, einer Breite von 2 - 15 km und einer Höhe von
600 1.378 m ü. d. M. am Plöckenstein, dem höchsten
Gipfel des umava.
Als typisches Mittelgebirge Europas
gilt der Nationalpark mit 81 % (56.000 ha) Waldanteil als Waldnationalpark
mit mehreren klein- oder großflächigen Kulturlandschaftsinseln,
die ihm im Laufe der Besiedelung entnommen worden sind, d.h. man
findet Enklaven von Wiesen und Weiden oder Siedlungen im
Parkgebiet oder am Parkrand liegen insgesamt 11 Dörfer mit
ca. 2.000 Einwohnern.
- Die wichtigsten Naturmerkmale
in Stichpunkten
- vorwiegend Waldregionen, wobei
Mischwälder und der Hochlagenfichtenwald nur teilweise natürlicher
Herkunft sind.
- Inseln ehemaliger Kulturlandschaft
in verschiedenen Sukzessionsstadien, teils aufgrund der Lage
im früheren Niemandsland (1948 - 1989).
- Plateaulandschaften mit verstreuten
Biotopen (Hochmoore, Urwaldreste, Gletscherkare mit Gletscherseen,
Blockmeere)
- wenig besiedeltes, für
Touristen jedoch sehr attraktives Gebiet mit Natur-, aber auch
Kultursehenswürdigkeiten
- einer der letzten großflächig
erhaltenen Naturräume Mitteleuropas, jedoch mit etlichen
Problemen (z.B. Borkenkäferbefall in den Fichtenreinbeständen
der höheren Lagen), die die Durchsetzung der Park-Idee,
alles der natürlichen Dynamik zu überlassen, erschweren.
Die 3 Zonen des Nationalparks:
Die I. Zone oder Naturzone
mit 8.807 ha, d.h. 13 % der Parkfläche (davon 7.500 ha Waldfläche,
der Rest besteht meistens aus Hochmooren), ist der wertvollste
Teil des Nationalparks, in dem man auf Selbstregulierung ohne
menschliche Eingriffe setzt.
Sie besteht jedoch aus 135 mehr oder weniger kompakten Teilflächen,
wie im Besonderen Reste der durch den Borkenkäferbefall geschwächten
autochthonen Fichtenwälder im Zentralbereich der Hochebenen.
Die II. Zone mit insgesamt 55.956 ha Fläche (82 %)
ist die größte Zone im Nationalpark, sie umfaßt
vorwiegend angelegte Wälder, aber auch waldfreie Ökosysteme
oder Wasserflächen.
Die Waldökosysteme werden in 3 Subzonen unterteilt:
a) Die Zone II A (naturnahe Zone im Übergang)
mit 11.077 ha (16 % der Parkfläche) soll bis zum Jahr
2015 in die I. Zone (Naturzone) aufgenommen werden.
b) Die Zone II B (gelenkte Zone im Übergang)
mit 31.350 ha (46 %) soll durch Managementmaßnahmen
bis 2030 in die I. Zone überführt werden.
c) Die Zone II C (permanent gelenkte naturnahe Zone)
mit 13.529 ha (20 %) stellt Waldbestände dar, die
aufgrund ihres Zustands oder ihrer Lage in der Nähe von Siedlungen
permanent zu bewirtschaften sind.
Außer den waldlosen Ökosystemen, die weitere Pflegemaßnahmen
erfordern, befinden sich in der II. Zone noch großflächigere
Bereiche der sog. "verlassenen Kulturlandschaft" mit
jahrzehntelang natürlich verlaufender Naturdynamik, die ein
"Naturlabor" und zugleich eine touristisch attraktive
"Parklandschaft" bilden.
Die III. Zone oder Entwicklungszone schließt mit
3.372 ha (5 % der Parkfläche) Siedlungsareale, d.h. Ortschaften
innerhalb des Parks oder landwirtschaftlich genutzte Flächen
ein.
Mit Hilfe der Zonierung und des
NP-Plans sollte der Nationalpark nach der Aufbauphase zum anerkannten
Nationalpark lt. IUCN-Kriterien entwickelt werden.
Der Nationalpark als Tourismus-Image-Faktor
Das umava-Gebirge zählt
zu den bekanntesten Erholungsgebieten Tschechiens. Bis zum 2.
Weltkrieg relativ wenig besucht und durch nachkriegszeitliche
Komplikationen dem Tourismus entzogen, war das Gebiet eigentlich
erst im Jahr 1989 wieder für jedermann zugänglich. In
den letzten Jahren ist die Besucherzahl fast ständig gestiegen
1,8 Mio. in Jahre 1998, 1999 war nur ein leichter Rückgang
zu erkennen.
Heute entwickelt sich der Nationalpark nicht nur zu einem Paradis
für Wanderer, die eine ruhige und reizvolle Waldlandschaft
suchen, sondern auch immer mehr zu einem Mekka für Radfahrer
im Sommer und zu einem Langlauf-Spitzengebiet im Winter.
In den letzten Jahren versucht man
das Gebiet besonders während der Sommersaison durch Bus-
und Bahnsysteme auf beiden Seiten der Grenze umweltgerecht zu
erschließen (Igel-Bus, NP umava-Bus).
Das Parkgebiet verfügt über
ein ausreichendes Straßen- und Wegenetz und wurde mit einem
System von kleinen Parkplätzen für Wanderer ausgestattet:
mehr als 400 km Wanderwege und markierte Radwege (teils öffentliche,
teils auf festen Wanderwegen führende Strecken von mehr als
300 km Länge).
Für Skilangläufer sind im Winter mehr als 300 km markierte,
teils gespurte Loipen bereitgestellt.
Die zwei wichtigsten Flußläufe (Vltava, Otava) können
an bestimmten Flußabschnitten mit Kanus befahren werden
(fast 60 km).
Von der Parkverwaltung wurden
insgesamt 11 Informationszentren ausgebaut, die über verschiedene
Austattungen verfügen, besonders
im Haupt-Info-Zentrum Kaperské Hory werden interessante
Programme angeboten.
Dieses Informationsnetz ist an bestimmten Ausgangspunkten im Gelände
durch kleinere Infopunkte, bzw. Informationstafeln, weiter ergänzt,
die auch naturkundliche Orientierung in Form von Rundwanderwegen
ermöglichen, Aussichtsmöglichkeiten (wie der Poledník-Turm)
aufzeigen oder kulturelle Besonderheiten näher vorstellen
(Vchynitz-Tetover- und Schwarzenberg- Schwemmkanal). Auch aktuelle
Problembereiche im Natur- und Umweltschutz wurden in das Infosystem
integriert (z.B. der Wald-Infopavillon in Modrava zum Thema Bergwald-Borkenkäfer,
Infopunkte zum Wiederbewaldungsprogramm FACE u.ä.).
Im Ausbau befindet sich derzeit das Gesteins-Freigelände
bei Rokyta, weitere Infomöglichkeiten sind geplant.
Stand: September 99
Ing. Michal Valenta
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