Der "lange Atem"
Der emotionale Bezug
Ideen vor Strukturen
Ein gutes Team und einer mehr

Österreichische Naturschutzjugend Haslach - BILANZ

von Karl Zimmerhackl

nach bald 26 Jahren: 45 Hektar Ökologische Inseln in der mühlviertler Kulturlandschaft; Meilensteine fach- und länderübergreifender Projektarbeit; gesuchte Berater; 450 Förderer;

zahlreiche (inter)nationale Auszeichnungen;...

Die Geschichte der Österreichischen Naturschutzjugend Haslach (önj) ist eine Erfolgsgeschichte – zweifellos.

Wie aber kam sie zustande? Unter besonders günstigen Bedingungen? Als Reihe glücklicher Fügungen? In konsequenter Umsetzung eines langfristigen Konzeptes? Wie entsteht (und besteht!) eine erfolgreiche Naturschutz-Jugend-NGO?

Natürlich gibt es kein Patentrezept, aber ein paar Elemente scheinen wesentlich.

 

Der "lange Atem"

Initiativen kommen und gehen: engagiert, medienwirksam, kurzfristig durchaus erfolgreich – helles Strohfeuer. Wer 26 Jahre durchhalten will ohne auszubrennen, muss haushalten, sich langsam entwickeln, darf nie "über seine Verhältnisse leben", insbesondere, wenn die Arbeit ehrenamtlich und in der Freizeit geschieht. Nachhaltigkeit ist ein moderner, fast inflationärer Begriff geworden – die önj Haslach praktiziert dieses Prinzip von Beginn an. Und dazu gehört auch, dass jede(r) Mitarbeiter(in) seinen/ihren Platz hat im Team, seine/ihre persönlichen Fähigkeiten einbringen kann, mal intensiver, mal weniger: Lehrer, Wirtschaftsfachmann und pensionierter Hobbyhistoriker; Landschaftsökologe und Biologe wie Buchbinder und Tischler.

 

Der emotionale Bezug

Was im Grundschulalter in idealer Ergänzung schulgebundener und außerschulischer Aktivitäten aufgebaut wurde – das Verstehen und Erleben der Natur, das Handeln mit Hirn und Herz – es erweist sich als Stärke der erwachsenen önj Mitarbeiter. Rein kognitives, wissenschaftliches Interesse scheint zu einseitig, zu wenig belastungsfähig in schwierigen Phasen. Emotionale Verbundenheit mit der Natur, der Landschaft, der Region ist die wirksamere Motivations- und Energiequelle, wenn wieder einmal ein Wochenende "draufgeht", und begründet in hohem Maße Glaubwürdigkeit, Authentizität – entscheidende Qualitäten in der Zusammenarbeit mit Bauern, Landesräten und Journalisten.

 

Ideen vor Strukturen

Das erste önj Büro war ein umgebauter Kellerraum; das heutige ist – noch immer dieser Keller, auch wenn da mittlerweile ein Computer steht und Arbeit vielerorts geschieht. önj-Stil heißt: flexibel und kreativ Projekte entwickeln; schlanke Strukturen statt "Vereinsmeierei" und Verwaltung im Leerlauf – lieber einmal improvisieren; aber immer ausreichend interne Kommunikation. Zuerst existiert das Thema, die Idee, ist Handlungsbedarf gegeben; dann entstehen adäquate Strukturen, werden Konzepte entwickelt, wenn nötig mit professioneller Hilfe. Eines wird übrigens immer professionell durchgeführt, hat sich als wichtig erwiesen: regelmäßige prozessbegleitende Reflexion.

 

Ein gutes Team und einer mehr

Die önj Haslach funktioniert als Team – ein engagiertes Dutzend mit einer breiten Palette an Fähigkeiten trägt und prägt die Aktivitäten. Und doch hat das Räderwerk einen Motor, ein Zentrum. Impulsgeber, nicht Chef; Förderer, nicht Forderer; Kontinuität und Charisma von Anfang an: Karl Zimmerhackl hat ihn, den langen Atem, der in einer tiefen Naturverbundenheit wurzelt und die wesentlichen Themen erspürt – lange bevor sie "in Mode kommen". Doch damit ist der Anfang wieder erreicht...

Es sind gar nicht so sehr die absoluten Dimensionen, es ist der zurückgelegte Weg, der einen staunen macht. Vom Nistkastenbauen zu OECD-Projekten und Conservation Award. Ich gratuliere der önj Haslach zu 26 Jahren auf der Seite des Lebens und bin stolz, ein Stück dieses Weges mit gestaltet zu haben.