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Schwer und mächtig erhebt sich das dunkle Waldgebirge über den Tälern von Donau und Moldau.

Bayerischer Wald und Böhmerwald sind das grösste zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas.
Die Wälder überschreiten die Grenzen von Bayern, Böhmen und Oberösterreich.


Der Mensch wagte sich erst spät in diese bedrohliche, furchterregende Wildnis;
langsam und angsterfüllt, wie die Sagen und Mythen erzählen.

Die Urwälder erschienen undurchdringlich,
das Klima rauh,
der Boden karg und steinig.

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Heute gibt es nur noch wenige, staatlich geschützte Orte, die uns ahnen lassen, wie sich die Urlandschaft den ersten Siedlern entgegenstellte:
Totholz liegt übereinandergestapelt; nur an einigen Stellen durchdringt die Sonne den finsteren Wald; feuchte nebelige Luft steigt aus den Mooren.

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Im Mittelalter schlugen die Klöster an der Donau,
im Mühlviertel und in Böhmen
Schneisen in den "eremus Nortwald", den menschenleeren Wald, versuchten ihn zu erobern.
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Die ersten Siedler mußten sich anpassen;
ihre Häuser waren klein,
lagen geduckt und geschützt vor dem Heulen der heftigen Winterstürme.
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Salzhändler durchquerten auf ‚goldenen' Steigen den Wald;
sie stellten die ersten Verbindungen zwischen Bayern und Böhmen her.
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Schliesslich beuteten Glashütten den Rohstoff Holz aus,
drangen immer tiefer in die entlegensten Winkel vor.
Das Glas brachte Böhmen und dem Bayerischen Wald Weltruhm,
aber auch eine ökologische Katastrophe:
die Wälder wurden zu Pottasche verbrannt und zur Glasherstellung verfeuert; bis das Waldgebirge nahezu waldleer war.

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Erst im 19. Jahrhundert erkannte man die Folgen dieses Wütens: Wiederaufforstungen und kontrollierte Holzwirtschaft begannen.
Aber die Wildnis war bereits bezwungen und Elch, Wolf und Bär bald ausgerottet.



p1162.jpgp195.jpgp789.jpgÜber die Jahrhunderte hat sich so zwischen Donau und Moldau eine besondere,
typische Landschaft entwickelt: ein Mosaik aus Wäldern, Wiesen, Weiden und Äckern.

Der Weg in die moderne Industriegesellschaft verlief in diesem ‚vergessenen' Winkel nur langsam und zögernd; aus heutiger Sicht zum Glück. Nur so konnte sich das Waldgebirge seine Eigentümlichkeit und Anziehungskraft bewahren.


Der aufkommende Tourismus machte den Bewohnern die Bedeutung einer intakten und naturnahen Umwelt bewußt:
1970 entstand der erste deutsche Nationalpark und heute gibt es eine bemerkenswerte Anzahl von Schutzgebieten, einzigartig in Mitteleuropa.


p1173.jpgIn der ehemals feindlichen Wildnis manifestiert sich immer mehr unsere verschüttete Sehnsucht nach Ursprünglichkeit und Lebendigkeit.
Eine Auseinandersetzung mit der oft als grausam empfundenen Natur ist zugleich eine Chance zu erkennen: Wir haben die Grenzen unserer naturzerstörenden Lebensweise erreicht.
Die Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava sind die Keimzellen der wiedergefundenen Wildnis: Ausgerottete Arten kehren in das unwegsame Gebirge zurück; sie besetzen in den großen Wäldern ihren Lebensraum wieder.
Die Natur wird ihrer eigenen Kraft überlassen; diese Wildnis ist das Zukunftspotential des Waldgebirges zwischen Donau und Moldau.