NATIONALPARKE - EINE WELTWEITE IDEE
Nordamerikanische Waldläufer entdeckten im 19. Jahrhundert
im Staate Wyoming eine aus naturkundlicher Sicht äußerst
bemerkenswerte Landschaft.
Auch die Teilnehmer späterer Expeditionen konnten und wollten
sich der Faszination dieses Landes der Geysire und dampfenden
Quellen nicht verschließen und so reifte die Idee, hier
auf die Vergabe von Schürf- und Landrechten zu verzichten
und statt dessen die Einrichtung eines "Nationalparks"
vorzuschlagen. Im Jahre 1872 billigte der Kongress der Vereinigten
Staaten die Ausweisung des "Nationalpark Yellowstone",
dem ersten Nationalpark weltweit.
Bis die Nationalparkidee das europäische Festland erreichte,
vergingen noch einige Jahrzehnte. Durch die Bevölkerungszunahme
und die mehr als 5000jährige Landnutzung sind auf dem europäischen
Kontinent zu Beginn dieses Jahrhunderts kaum bis dahin ungenutzte
Lebensräume übriggeblieben. Nur wo extreme Klimabedingungen,
Boden- und Geländeformen eine Nutzung verhinderten, blieben
am Rande des Kontinents oder in den Kammlagen der Gebirge und
Mittelgebirge letzte Wildnisgebiete und Naturlandschaften erhalten.
Besonders im Norden Skandinaviens war dies der Fall. Dort entstanden
auch Anfang dieses Jahrhunderts die ersten europäischen Nationalparke.
So wurden im Jahre 1910 die beiden schwedischen Nationalparke
Stora Sjöfallet und Sarek gegründet.
In der Bundesrepublik Deutschland dauerte es bis zum Jahre 1970
ehe der erste deutsche Nationalpark, der Nationalpark Bayerischer
Wald, gegründet wurde.
Zu Beginn der Nationalparkbewegung vor mehr als 100 Jahren standen
die reinen Naturschutzüberlegungen nicht unbedingt im Vordergrund.
Es ging vielmehr darum, die amerikanischen Naturwunder in ihrer
Einzigartigkeit zum Wohle und zur Erbauung gegenwärtiger
und zukünftiger Generationen zu erhalten. Doch sehr rasch
wurden selbst diese Ideale weitsichtiger Naturfreunde und Naturschützer
vor dem Hintergrund des übermäßig zunehmenden
Tourismus an den Rand gedrängt.
Immer häufiger entdeckten geschäftstüchtige Tourismusmanager
die "Marktnische Nationalpark" und oft waren Politiker
leicht für den "Werbeträger Nationalpark"
in abgelegenen Gebieten und wirtschaftlichen Randzonen zu begeistern.
Ein weiteres Problem war die Tatsache, dass der Begriff "Nationalpark"
nicht geschützt war. England schuf beispielsweise in den
fünfziger und sechziger Jahren sogenannte "Nationalparke",
deren ausschließliches Ziel es war, die gewachsenen Kulturlandschaften
des Landes, einschließlich der bäuerlichen Strukturen,
der alten Gehöfte, der ländlichen Gemeinden und Kleinstädte
mit ihrer bodenständigen Bausubstanz zu erhalten und zu konservieren.
Gerade in Europa wurden die Begriffe "Nationalpark"
und "Naturpark" gegenseitig austauschbar verwendet und
so war die Verwirrung Mitte dieses Jahrhunderts beinahe perfekt.
Mit der Gründung der Nichtregierungsorganisation "International Union for Conservation
of Nature and Natural Ressources" (IUCN) im Jahr
1948 versuchten Fachleute aus aller Welt auf die Entwicklungen
mit gemeinsamer Arbeit zu reagieren.
Die Vereinigung machte sich die Förderung, Harmonisierung
und Koordination des Naturschutzes auf internationaler Ebene zur
Aufgabe. Eines der Hauptziele bestand von Anfang an darin, die
Errichtung und rechtliche Sicherung von Nationalparken und anderen
Schutzgebieten zu unterstützen und zu überwachen.
Mittlerweile sind etwa 130 Länder stolz auf mehr als 2300
Nationalparke. In Europa hat sich die Zahl dieses Schutzgebietstyps
in den Jahren von 1988 bis 1998 von 200 auf 300 erhöht.
Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald
Umweltbildung und Nationalparkregion