Gedanken zum Thema "Nationalpark und Kunst"

von Gretl Eisch, Frauenau, Mai 1999
als Reaktion auf einen Artikel in Geo, der die Kunstaktion "Wie real ist die Wirklichkeit" missbilligt.

Kunst und Nationalpark - das ist ein wechselseitiges Geben und Nehmen; und am 29. August 1998, an einem abgelegenem Platz am Fuße des Lusen, wurden keine Objekte von "Schnitzern und Malern" gemacht. Wir haben dort versucht, auf besondere Weise unser Eingebundensein in die Schöpfung zu erfahren und zu bekennen. Wenn wir auf die toten Stämme Zeichen, Formen, Gegenstände, Figuren, uns selber malen oder schnitzen, versuchen wir, der Sprache der toten Bäume, dem Schweigen und der Anklage, eine andere, unsere Sprache entgegenzusetzen, die vielleicht Freude und Hoffnung ausdrückt und zugleich unsere Akzeptanz und Anteilnahme an dem Kreislauf der Natur, dem Sterben und Wiederwerden.

Vielleicht waren es eine Art Grabbeigaben, vielleicht ist hier oder dort ein Dialog entstanden zu dem, was war und was sein wird.

So ist Kunst eine Möglichkeit für jeden, Betrachter und Macher, seinen eigenen Platz in der Natur zu finden oder zu formulieren, Empfindsamkeiten zu wecken, zu sich selber, zur Natur und dem Anderen: Und nur so etwas war es auch, was die Leute vor einem Jahr mit heimgenommen haben. Jedenfalls keine "Kunstobjekte".

Natur und Kunst haben gleichermaßen ihre Gesetzmäßigkeiten, im Loslassen entsteht Schönheit, immer etwas Neues, nie Vorherzusehendes; Ein Gefühl von Verlässlichkeit stellt sich ein, ein Gefühl für Dauer, Geduld und Langsamkeit.

Es entstehen Bilder, die mehr sind als Abbilder; die in sich leben, nicht gefallen müssen und nicht für einen bestimmten Zweck gemacht sind. Die Natur braucht nicht gefallen um schön und stark zu sein. "Wildnis" mit all ihren Gesetzmäßigkeiten ist eine Art Wahrheit, sie deckt nichts zu. In ihr spüren wir, dass wir leben und uns ans Sterben erinnern. Nur was wir empfinden, können wir malen oder formen. Leben in der Kunst sowie in der Natur ist etwas, dass das Eine sein muss und das Andere zugleich - Gegensätze und Vielfalt müssen sein.

Hubert Weinzierl fordert einen neuen Kulturentwurf, in dem das Leben zum Maß aller Dinge gemacht wird und nicht der Mensch allein. Eine neue Wertediskussion ist gefragt für die Kunst gleichermaßen wie für die Natur.

Kunst und Nationalpark (Wildnis), beides sind Außenseiter in unserer Gesellschaft. Vielleicht finden sie gemeinsam bald mehr Akzeptanz. Möge die Sonderführungsreihe "Wie real ist die Wirklichkeit" dabei mithelfen.