INHALT
Der Naturerlebnispfad
Mit Schwung hinein
Naturklänge
Mit sehenden Händen und Füßen
Rund um den Baum
Märchenwald
Tieren auf der Spur
Der Boden lebt!
Alles hängt voneinander ab
Nationalpark-Einsichten


Dem Wald auf der Spur
von Lukas Laux

Der Naturerlebnispfad
Eine Familie, jeder mit einem Heft in der Hand, streift durch den Wald. Tobias hat die "Steinfichte" gefunden. Hier muss der Einstieg in den Naturerlebnispfad sein. Nachdem der auf einem großen Stein wachsende Baum mit seinen Spechtlöchern und der herumliegenden "Sägespäne" untersucht wurde, geht es weiter bis zum drehbaren Wegweiser. Lisa, die Jüngste, hat großen Spaß die Tiere richtig zusammenzudrehen. Tobias ist besonders am Fischotter interessiert und liest den Text aus dem Kinderbegleitheft laut vor. Michael, der Vater, ist besonders an Vögeln interessiert und liest sich die Informationen zu den Eulen und Spechten in dem Erwachsenenheft durch. Lisa hat an dem obersten Drehsegment einen roten Pfeil mit einem Eichhörnchen darauf entdeckt. Sie drängt zum Weitergehen in die Richtung, in die der Pfeil zeigt.

Mit Schwung hinein
Nach 300 Meter stehen sie vor Schwungseilen, mit denen sie sich in die Mitte der ersten Station des Naturerlebnispfades schwingen können. Familie Jacobsen hat sich vorgenommen an diesem Samstagvormittag den Naturerlebnispfad zu erkunden.
Lisa möchte wissen, warum das so ist, wenn sie auf einer Seite des Impulskugelgerätes eine Kugel loslässt, auf der anderen Seite der Kugelreihe eine Kugel ausschwenkt. Michael versucht sich an seinen Physikunterricht zu erinnern und gibt eine Erklärung. Tobias schaukelt mit seiner Mutter auf der Partnerschaukel. Schnell hat er begriffen, dass er sich durch den Schwung seiner Mutter mitreißen lassen kann ohne dass er sich selber anstrengen muss. Wollen sie jedoch weit hinaufkommen, geht dies nur bei einem gleichen Schaukelrhytmus.
Eine Gruppe mit Blinden hat die Familie eingeholt und strömt gleich auf die große Balancierscheibe. Alle 25 Gruppenteilnehmer versuchen gemeinsam die Balancierscheibe ins Lot zu bringen. Nach zirka 10 Minuten Herumprobieren stoßen sie auf eine erfolgversprechende Variante: alle Gruppenteilnehmer fassen sich an den Händen und bestimmen eine Person, die sich als einzige noch bewegen darf. Die Schwingungen der Scheibe werden immer langsamer: geschafft! Die Scheibe befindet sich im Gleichgewicht. Die Gruppe ist so von sich begeistert, dass alle mit einem Klatschen die Balancierscheibe wieder verlassen. Lisa hat sich nun bei der ersten Station genügend ausgetobt und möchte weiter. Aber wohin? Sie sucht mit ihren Augen den Wald ab. Plötzlich rennt sie los. Sie hat wieder ein in Holz gefrästes Eichhörnchen entdeckt und weiß nun, dass hier der Weg wohl weitergehen muss.

Naturklänge
Nach ein paar hundert Metern durch einen Buchenwald kommen sie zu drei begehbaren Baumstümpfen, den Klangbäumen. Immer nur eine Person passt in einen Baumstamm. Im ersten Baumstamm hört Waldtraud, die Mutter, Wasser plätschern. Im zweiten raunt ihr der Wald etwas zu, Lisa ist schon mal in den dritten Baumstamm gegangen und erschreckt sich, als sie plötzlich einen "Waldgeist" hört. Dann erkennt sie jedoch, dass es sich um die Stimme des Vaters handelt. Aber wo kommt diese her? Auch die Mutter kann sich das Wassergeräusch nicht erklären. Die Lösung ist ganz einfach: Ein zum nächsten Bach verlegtes Dränagerohr überträgt die Wassergeräusche bis in den Baum. Auch Lisa hat ihren Vater durch ein bis zum nächsten Weg verlegtes Rohr sprechen gehört. Das Waldrauschen wird durch einen großen Trichter eingefangen. Mit einem großen Loch in einem Granitstein kann Tobias zunächst nichts anfangen. Schnell liest er in seinem Heft nach, steckt dann seinen Kopf in das Loch und fängt an zu summen. Durch seinen eigenen Klang versetzt er seinen ganzen Körper in Schwingung. Lisa fürchtet sich ein wenig vor diesem großen Summstein. Sie läuft schon weiter zu einem auf zwei Pfosten aufgeständerten Baumstamm. Michael kratzt an dem einen Ende des Baumstammes, Lisa hält ihr Ohr ans andere Ende. Sie ist erstaunt wie gut das "Baumtelefon" funktioniert. Sie schickt leichte Klopfgeräusche zurück. Auch Michael ist fasziniert, wie gut Holz Klänge leitet. Wie schwer hat es da ein Baummarder ungehört an ein Tier heranzuschleichen! Die "klingenden Steine", die Holzorgel und das Waldxylophon laden zum Musizieren ein. Nach so viel Musik nehmen alle gerne das Angebot wahr, sich in der Lauschecke, einer Sitzgruppe, niederzulassen. In dem Begleitheft ist eine Seite freigelassen für ein Klangbild. Geräusche aufmalen, wie soll das funktionieren? Nach anfänglicher Skepsis will Familie Jacobsen es einfach mal ausprobieren und sich dafür 10 Minuten Zeit nehmen. Lisa hat nach kurzer Zeit alles vollgemalt und packt ihren Schokoriegel aus. Waltraud betrachtet intensiv den vor ihr liegenden Aufichtenwald mit seinen umgeworfenen Bäumen. Auch den glucksenden Bach zeichnet sie ein. Ein richtiges Gemälde entsteht. Michael hat sich an einen Baum gelehnt und genießt mit geschlossenen Augen die Sonne, die Ruhe und den Waldgeruch. Für jedes Geräusch zeichnet er einen großen oder kleinen Haken, je nachdem wie laut das Geräusch war. Auf Tobias Bild tauchen neben Vögeln auch eine Kirche, ein Zug und einige Autos auf. Beim anschließenden Betrachten der Bilder sind alle erstaunt wie unterschiedlich ihre "Kunstwerke" aussehen und was sie alles in den 10 Minuten alleine im Wald erlebt haben. Gut ausgeruht geht es weiter zur nächsten Station.

Mit sehenden Händen und Füßen
Waltraud liest das Gedicht von Martin Auer aus ihrem Begleitheft:

Über die Erde
sollst du barfuß gehen.
Ziehe die Schuhe aus,
Schuhe machen dich blind.
Du kannst doch den Weg
mit deinen Zehen sehen.
Auch das Wasser
und den Wind...

Noch bevor das Gedicht endet hat Lisa schon ihre Schuhe ausgezogen und will ihren Vater mit verbundenen Augen über den Pfad mit den unterschiedlichen Bodenbelägen führen. Unterwegs lässt sie ihn Bäume ertasten und die Füße über das Moos streichen. Auf halber Strecke tauschen sie die Rollen. Lisa kitzeln besonders die Fichtenzapfen, der Kies fühlt sich ganz kalt an. Tobias lässt seine Mutter verschiedene Äste von Nadelbäumen ertasten und zupft ein paar Nadeln ab. Besonders der zitronige Geruch der Douglasie gefällt ihr. Beim zweiten Durchgang über den Pfad, bei dem alle sehend sind, lösen sie gemeinsam das im Kinderheft abgedruckte Forscherspiel. Bei einigen Bäumen und Sträuchern wird das Klappbild geöffnet, um den Artnamen der Pflanze zu erfahren. Tobias schaut nach wie der Busch heißt, von dem er die behaarten Blätter so gerne ertastet hat: Haselnuss.

Rund um den Baum
Eine große, einzeln stehende Fichte fällt ins Auge. Wie hoch ist sie wohl? Jeder trägt seine geschätzte Höhe in sein Begleitheft ein. Beim Abschreiten der hinter dem Baum in den Boden eingelassenen Metersteine erfahren sie nicht nur die Höhe des Baumes, sondern auch welche Tiere den Baum in den unterschiedlichen Höhen nutzen.
Die mit einer Plexiglasscheibe abgedeckten Baumstümpfe haben es jetzt Tobias angetan. Was der Baum schon alles erlebt hat! "1856 letzter Bär im Böhmerwald geschossen" oder "1871 Gründung des deutschen Reiches". Fast ganz am Rand der Baumscheibe ist ein Jahrring bunt hinterlegt: "1970 Gründung des Nationalparks Bayerischer Wald". 25 Jahre Nationalpark Bayerischer Wald, eine sehr kurze Zeitspanne für einen Baum. Beim nächsten Baumstumpf schiebt Tobias einen Pfeil auf den Jahresring seines Geburtsjahres. Auch auf den Jahresring des Geburtsjahres seines Vaters und seiner Oma schiebt er einen Pfeil. Erstaunlich wie viele Menschengenerationen so ein Baum überleben kann. Obwohl Tobias natürlich weiß, dass so ein großer mächtiger Baum aus einem winzigen Samen wächst, bringt ihn die angepflanzte Baumreihe von der einjährigen bis zur sechzehnjährigen Fichte ins Grübeln. Die Kinder suchen den Baum heraus, der ihr Alter hat.
Eine Kindergartengruppe taucht auf und möchte den Baumpavillon als Brotzeitplatz nutzen. Aber noch bevor sich alle in dem Pavillon niederlassen, fordert die Erzieherin die Kinder auf, sich Hand in Hand um den Pavillon zu stellen. Kaum schaffen sie es mit der ganzen Gruppe den Kreis zu schließen. Die Kindergärtnerin erklärt den Kindern, dass der dickste Baum der Welt, ein Mammutbaum im Sequoia-Nationalpark in den USA, einen Umfang hat wie dieser Pavillon.
Der Pavillon ist den drei Hauptbaumarten des Nationalparks gewidmet. Im Buchensegment trägt ein mächtiger Buchenstamm das Dach. Der Fußboden, die Bank und die Hocker sind aus Buchenholz. Eine in den Himmel ragende Buchenwurzel steht vor diesem Pavillonsegment. Die gleiche Ausstattung findet sich im Tannen- und Fichtensegment. Gut lässt sich das Pfahlwurzelsystem der Tanne vom Senkerwurzelsystem der Fichte unterscheiden. An der Mittelsäule des Pavillons sind drehbare Tastkästen angebracht. Es gilt, die Früchte, Blätter und Äste des Baumes zu ertasten, in dessen Segment man steht.

Märchenwald
Der verschlungene Weg zum Märchenwald ist gar nicht so einfach zu finden. Eichhörnchenwegweiser helfen dabei. Diesmal müssen typische Pflanzen des Bayerischen Waldes richtig zusammengedreht werden, damit der Pfeil in die richtige Richtung zeigt.
Das Eingangstor des Märchenwaldes bilden zwei große Nadelbäume. Dazwischen liegt ein in den Boden eingelassener Spiegel. Beim Überschreiten des Spiegels kommen die mächtigen Baumkronen ins Blickfeld. Automatisch schauen alle nach oben. Der Weg führt nun durch einen Wald mit besonders knorrig gewachsenen, teilweise mit Baumschwämmen übersäten Bäumen. Umgestürzte Bäume liegen wie ein Mikadospiel durcheinander. Auf schon länger liegenden, oft bemoosten Stämmen keimen neue Bäumchen. Plötzlich taucht ein an den Berg geducktes "Hexenhäuschen" auf, ein Rindenkobel. Solche "Hütten" bauten sich früher die Waldarbeiter, da es ihnen nicht möglich war, jeden Abend nach Hause zurückzukehren. Andrea, eine von der Nationalparkverwaltung beschäftigte Waldführerin, kommt gerade mit einer Gruppe Kindern vorbei und geht in den Rindenkobel. Diese 16 Teilnehmer haben sich für die wöchentlich stattfindende "Waldzauber" Veranstaltung zusammengefunden. Nachdem alle in der Hütte Platz gefunden haben, entzündet sie eine Kerze. Lisa und Tobias haben sich der Gruppe angeschlossen und lauschen ganz gespannt dem Märchen das sie erzählt. Anschließend gehen alle auf Entdeckungstour nach Pflanzen, die auch im Märchen vorkamen, wie dem Sumpfschachtelhalm. Die Kinder erhalten Buntstifte und Papier. Tobias malt den vor ihm aufragenden Wurzelteller einer umgestürzten Fichte mit all den Pflanzen, die sich darauf angesiedelt haben. Lisa hat Hunger bekommen. Familie Jacobsen beschließt, Essen zu gehen und die zweite Hälfte des Pfades sich für den morgigen Tag aufzuheben.

Tieren auf der Spur
Gestärkt durch ein gutes Frühstück machen sich Tobias und Lisa an die erste Aufgabe der Station. Benagte Fichtenzapfen müssen den "Tätern" zugeordnet werden. Auf dem weiteren Weg warten mehrere, in Holz gefräste Fragen auf Beantwortung, zum Beispiel wer das Wespennest ausgegraben hat oder das große lange Loch in den Baum gehackt hat. Auch ins Innere eines von der Rossameise zernagten Stammes kann geblickt werden, genauso wie unter die vom Borkenkäfer bearbeitete Rinde. Nach erfolgreichem Balancieren über einen Baumstamm, dem Überqueren eines Sumpfgebietes mit Hilfe eines Kettensteges, dem Durchkriechen eines ausgehöhlten Baumes und dem Hüpfen von Stein zu Stein wird erst einmal eine Pause eingelegt und das Tierspurenrätsel im Begleitheft gelöst. Tobias entdeckt als nächstes einen großen Sandkasten. Hier gilt es, sich im Weitsprung mit Tieren zu messen. Tobias kann es mit Eichhörnchen aufnehmen, Lisa mit Fröschen und Michael schafft es, fast so weit wie ein Luchs zu springen. Auch hier können die am Sandkastenrand abgebildeten Tiere hochgeklappt werden und zum Vorschein kommen die Trittsiegel der Tiere.
An der nächsten Weggabelung steht noch ein Drehwegweiser. Diesmal müssen Entwicklungszyklen richtig zusammengedreht werden, zum Beispiel beim Tagpfauenauge Raupe, Puppe und Schmetterling oder beim Grasfrosch Laich, Kaulquappe, Frosch.

Der Boden lebt!
Tobias steht vor einem über zwei Meter hohen Laubhaufen. Warum liegt nicht überall soviel Laub, da doch jedes Jahr neues hinzukommt? Die Antwort entdecken sie gleich hinter dem Laubhaufen. Durch eine Plexiglasscheibe fällt der Blick auf verschiedene Horizonte der Humusschicht. Die in der jeweiligen Schicht lebenden Bodenlebewesen sind in die Glasscheibe eingefräst. Lisa entdeckt gegenüber des Bodenaufschlusses eine Wasserpumpe. Schnell wird mit Tobias Hilfe Wasser in den Steintrog gepumpt. Das durch den im Trog befindlichen Schlamm ganz trübe gewordene Wasser schüttet Tobias in einen mit Steinen gefüllten Trichter. Sofort kommt das trübe Wasser wieder unten am Trichter heraus. Beim bepflanzten Trichter dauert es lange bis das erste Wasser unten ankommt und siehe da, es ist nicht mehr trüb. Trotz längerem Warten erhält Tobias nur noch zirka die Hälfte des zuvor hineingeschütteten Wassers zurück.

Alles hängt voneinander ab
Der Weg schlängelt sich durch einen Aufichtenwald. Am Wegesrand wächst die Sumpfdotterblume und die Brunnenkresse. Am Bach sucht sich Waltraud einen schönen Sitzplatz und liest den im Erwachsenenheft abgedruckten Text: "Wald ist mehr als die Summe der Bäume" von Horst Stern vor. Lisa ist der Text zu kompliziert und sie fängt schon mal mit dem Rätsel in ihrem Kinderheft an. Frisst das Eichhörnchen Vogeleier oder der Marder das Eichhörnchen? Brauchen Haselnüsse Wasser oder die Maus den Eichhörnchenkobel? Fragen über Fragen. Eine rege Diskussion entsteht.

Nationalpark-Einsichten
Weiter führt der Weg an einer mit Heide bewachsenen Waldlichtung vorbei, einen Berg hinauf. Was sollen nun diese Stahlrohre im Wald? Tobias blickt durch das erste Rohr und liest: "Nationalpark-Einsichten". Schnell wird von Rohr zu Rohr gegangen. Der Blick fällt auf Jungwuchs, einen vermoderten Baumstamm auf dem Fichten keimen, auf einen Baumschwamm an einer Buche. Lisa freut sich, dass sich der Papa bei einigen Blickröhren kräftig bücken muss, um hindurchzuschauen. Durch den anderen Blickwinkel sehen die kleinen Tannen und die Farnwedel auf einmal ganz mächtig aus. Von der Sitzbank aus lässt sich eine große alte Tanne am besten betrachten. Was die schon alles erlebt hat: Brandspuren zeugen von einem Blitzschlag, Rossameisen bringen stetig Holzspäne aus dem Inneren, der Schwarzspecht hat ein großes Loch hineingemeißelt. Welche Tiere wohl noch unter der halb abgeplatzten Borke versteckt leben? Flechten haben sich auf dem Wundkallus der Tanne angesiedelt. In drei Meter Höhe keimt eine Eberesche in einer Astgabel. Wäre so ein Baum in einem Wirtschaftswald stehen geblieben? Michael denkt über die im Begleitheft abgedruckten Nationalpark Erläuterungen nach, Waltraud hat sich in den Text von Hermann Hesse "Von der Seele" vergraben. Auf ihrem Weg zur Waldwiese kommen sie noch an einem großen Findling vorbei in dem eingemeißelt steht:
NATIONALPARK Natur Natur sein lassen