Der Šumava Nationalpark – Zonierung und Management
von Mojmir Vlasin aus: "Pan Parks Courier" v. Juli 1999

In der Tschechischen Republik gibt es 3 Nationalparks – Krkonose, Podyji und Šumava. Der größte Nationalpark (NP) in der Tschechischen Republik ist Šumava mit neunundsechzigtausend Hektar. Den größten Teil des NP bedecken Wälder, aber nur etwa zehn Prozent des Waldlandes ist Urwald. Der Rest ist im Lauf der Jahre gefällt und neu gepflanzt worden. Obwohl diese Bäume gepflanzt worden sind, behält der Wald seine natürliche Zusammensetzung von Baumspezies bei, was bei den meisten tschechischen Wäldern leider nicht der Fall ist. Einer der natürlichen Prozesse in alten norwegischen Fichtenwald-Ökosystemen ist der Angriff des Borkenkäfers auf alte Bäume. Der Käfer legt seine Eier in die Rinde, und sobald die Larven geschlüpft sind, beginnen sie das Rindengewebe auszufressen. Die meisten der befallenen Bäume sterben schließlich. Heute, nach 15 Jahren intensiver Borkenkäfer-Aktivität, sind 14 Prozent der Walddecke im Šumava Nationalpark vom Käfer geschädigt. Um dies zu erklären, können zwei Hypothesen angeboten werden:

1. Intensive Borkenkäfer-Aktivität tritt wie die meisten natürlichen Prozesse in Zyklen auf und nimmt im Lauf der Zeit wieder ab.

2. Die Borkenkäfer-Plage ist eine entsetzliche Katastrophe, die nicht enden wird, bevor der Käfer die gesamte Walddecke des Šumava Nationalparks zerstört hat.

Am Anfang (der NP wurde 1991 errichtet) war der Park in drei Zonen eingeteilt (gemäß dem Naturschutzgesetz). Die erste Zone umfasste etwa 25 % des gesamten Areals und war in 50 einzelne Teile unterteilt. Da es in Mitteleuropa kein Beispiel gibt (mit Ausnahme der jüngsten Erfahrungen im Nationalpark Bayerischer Wald), wie das, was man als Käfer-"Problem" im Nationalpark betrachtet, zu lösen ist, beschlossen die Šumava-Nationalparkverwaltung und das Umweltministerium 1995, den NP neu in drei Zonen einzuteilen – "Naturzone" (beschränkter Zugang), "Management- Zone" und "Erholungs- und Landwirtschaftszone". Es sind jedoch nur 13 Prozent der Gesamtfläche des Nationalparks als Naturzone bezeichnet, und diese besteht aus 135 (!) einzelnen Teilen. So eine Zerstückelung erscheint lächerlich und ist tatsächlich unter den Nationalparks in Europa eine Anomalie. Um mit dem Käfer fertig zu werden, ließ die Zonierung das Baumfällen im ganzen Park mit Ausnahme der beschränkten natürlichen Zonen zu. Nicht zufällig ist der Gewinn aus dem Baumfällen eine der Haupteinnahmequellen für die Nationalparkverwaltung.

Dieses Jahr hat die Nationalparkverwaltung das Umweltministerium um Erlaubnis gebeten, sogar Bäume innerhalb der Zonen, die unberührt sein sollten, umzuschneiden. Bei der Erklärung dieser Bitte behauptet der Nationalpark, dass die Käferangriffe sich ausbreiten werden und die Wälder nicht nur in der Šumava, sondern in der gesamten Tschechischen Republik in Gefahr bringen werden. Diese Behauptung entbehrt jeder Grundlage. Anfang dieses Jahres hat Umweltminister Milos Kuzvart neun Top-Forstexperten von Universitäten, von der Umweltakademie und vom Ministerium selbst zu Mitgliedern eines Sonderexpertenkomitees ernannt, das Empfehlungen treffen sollte, wie mit dem Käferproblem fertig zu werden sei. Die Empfehlung des Expertenkomitees war klar (mit 8 zu 2 Stimmen) – macht keine Einschnitte in die natürliche Zone.

In himmelschreiendem Gegensatz zu dem von ihm beauftragten Ratschlag machte der Minister im April eine Ausnahme vom Gesetz und gab der Šumava-Nationalparkverwaltung die Erlaubnis, in der Naturzone Bäume zu fällen. Diese Entscheidung richtet sich gegen die vernünftige Wissenschaft und missachtet das vernünftige Urteil, und sie ist nur von bedauerlicher Politik motiviert. Nun drängt die Verwaltung wild nach vorne mit Plänen, die Baumfällarbeiten zu beginnen. "Hnuti DUHA / Freunde der Erde, Tschechische Republik" haben gegen diese illegale Entscheidung Einspruch erhoben. Der Umweltminister muss seine schlecht beratene Entscheidung rückgängig machen und die Tschechische Republik davor bewahren, einen unschätzbaren Teil seines Nationalerbes zu verlieren.