WALD zwischen Donau und Moldau - Pressetext

Als die ganz große Diskussion "Pro und Kontra Nationalpark Bayerischer Wald" begann, war dieser schon 25 Jahre alt, aber jetzt, seit 1995, ist er in der öffentlichen Diskussion. Schuld ist der Borkenkäfer, der die Bergfichtenwälder der Hochlagen zerstört und damals die gleichzeitige Initiative der Bayerischen Staatsregierung, den Park mit seinen Probleme nach Norden zu erweitern. Seither währen die Bedenken und Angriffe der Gegner und Kritiker, deren Hauptablehnung die Veränderung, die Zerstörung der alten Bilder ist, dessen, was als Heimat verstanden wird.

Die Ablehnung von Veränderungen, die Unterbewertung von Naturschutz, die mangelnde Bereitschaft, sich für Neues zu begeistern und ein spürbares Informationsdefizit haben die "Arbeitsgemeinschaft Waldwildnis" bewogen, das CD-Rom- und Internet-Projekt "WALD zwischen Donau und Moldau" zu starten. Denn während viele alte Bäume sterben, wachsen gleichzeitig noch mehr von unten nach, die Statistiker erkennen über acht Millionen über 20 Zentimeter. Durch den Umbruch entsteht eine neue, andere, durch die Zeit und ihre Umstände definierte, nicht mehr vorhersehbare Waldnatur.

Vorgestellt werden sollte ursprünglich der Nationalpark Bayerischer Wald, seine Historie, seine Einrichtungen und Schönheiten. Aber sofort wurde deutlich, dass der angrenzende Park im Tschechischen, der "Narodni Šumava" mit seinen noch größeren Potential ebenso Teil dieser Präsentation sein muß. Zur Vorstellung des großen Waldes gehört auch seine tausendjährige Geschichte. Zusätzlich können auch einzelne Künstler, Literaten und Fotografen ihre Sichtweise von Wald und Region vorstellen. Dies sind weitere Ansprüche des Projekts.

Daran gearbeitet wird seit Ende 1998, die beiden Hauptverantwortlichen sind Ludwig Rahm, dessen Schwerpunkte die Geographie, die Programmierung und die digitale Präsentation der Inhalte sind und Herbert Pöhnl, der die koordinierenden Arbeiten übernommen hat. Einige weitere Begeisterte bringen zusätzliche Ideen, Materialien und Arbeit ein und so ist im Internet die Präsentation "www.waldwildnis.de" schon jetzt das wohl umfangreichste Nachschlagewerk zur Region zwischen Donau und Moldau.

Über einhundert Autoren, Mitarbeiter und Mitmacher stellen unterhaltsam, informativ und wissenschaftlich das Thema vor, Schwerpunkte sind die Arbeiten zur Geografie, zur Beschreibung der Region Bayerischer Wald, Šumava, Mühlviertel, die Präsentation des Nationalparks Bayerischer Wald und des Narodny Šumava, die Vorstellung von rund 50 Künstlern der Region und, ein weiterer Schwerpunkt, eine Vielzahl von Referaten zum Streit-Thema "Wildnis", sie sind das Zentrum der Arbeit. Alles zusammen genommen, stellt es mittlerweile eine einmalige Konzentration, ein bemerkenswertes Kompendium zur Region dar.

Dank gebührt auch vielen Organisationen, darunter die beiden Nationalparke, der Euregio Šumava-BayerWald-Mühlviertel, dem Bayerischen Wald-Verein, dem Tourismusverband Ostbayern, der Naturfreunde Internationale, weiteren Naturschutzorganisationen, einzelnen Kommunen und verschiedenen Firmen (s. CD-Rom und Internet) für ihre aktive und materielle Unterstützung.

Das Arbeitsziel, die CD-Rom WALD, wird zusätzlich zur homepage mit Tönen, Kommentaren, Musikstücken und schnelleren, besser, größeren Bildern aufwarten, ein Tierstimmen-Memory wird angeboten und eine Datenbank mit über eintausend Bildern in mehreren Dia-Schauen.

Die Finanzierung des Projektes geschieht mit Mitgliedsbeiträgen der Arbeitsgemeinschaft Waldwildnis, mit Spenden und mit Sponsorengeldern. Wesentlich ist die Unterstützung des Bayerischen Kultusministeriums ("Regionalen Entwicklungskonzeptes"), des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums (LEADER II), der Europäischen Union (EAGFL-Mittel) und des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds. Eine weitere Energie ist die konstruktive Reaktion verschiedener anderer Institutionen, Vereine, Verbände und Einzelpersonen.

Aber all dies ist im Internet zu sehen, zu beurteilen und zu würdigen. Dem Projekt-Ziel der Vorstellung der Region entsprechend sind auch alle relevanten Links zu diversen homepages aktivierbar, Schwerpunkte sind hier die Städte, Kreise, Museen, Inititativen, Verkehrsämter der Euroregion. Sie alle zu vernetzen, sie wenigstens untereinander und für andere bekannt zu machen und möglicherweise Aktivitäten auszulösen, ist ein weiterer, von Hoffnung getragener Ansatz der Präsentation.

Wildnis, das große Thema eines Nationalparks und des Projekts, hat auch eine ethische Dimension, sie kann zu einer Besinnung und Verlangsamung beitragen, zum Akzeptieren von Vergänglichkeit und zum Erkennen der Vitalität und Vielfalt, die durch Loslassen entsteht. Wildnis ist das Sterben und das Wachsen in seiner Eigenart und Gleichzeitigkeit, sie kann uns Ruhe und Gelassenheit lehren, Staunen und Einfachheit. Auch deshalb ist ein Nationalpark so wertvoll.

Wildnis bedeutet auch das Überwinden vieler alter Werte und Symbole, wie sie häufig die Heimat definieren, viele sind längst zur Hülle, zum Klischee verkommen, zum Ritual, das häufig nicht der Lächerlichkeit oder der Orientierungslosigkeit entbehrt. Sichtbar wird häufig, dass die Regionalität, das Identische und Typische, in den Tälern, in den Dörfern, in den Köpfen verschwunden zu sein scheint und Neues, Eigentümliches kaum entsteht. Ist Heimat wirkt zu häufig nur mehr als Schlagwort, als Verkaufsargument und als rührselige Floskel.

Der Nationalpark ist weiterhin Problemen ausgesetzt, der Unvorhersagbarkeit seiner natürlichen Entwicklung und den erheblichen Erwartungen und Forderungen der Freizeit-Nutzer. Aber die biologische Evolution des Menschen und sein Kampf gegen die wilde Natur, um Siedlungsraum, Sicherheit und Macht zu erlangen, sind abgeschlossen, es gilt dringend, unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu sichern und die Natur als Partner anzuerkennen. Wir sind ein Teil von ihr und ihre Mißachtung, ihre Zerstörung, wird unsere Belastung werden.

Ein großer, binationaler Waldnationalpark ist auch ein ideelles, weit in die Zukunft reichendes Zeichen. Es gilt, ihn zu wollen, ihn zu verstehen, ihm Platz zu verschaffen im Kopf und in der Region als Teil der Heimat und Teil Europas, Toleranz ist zu wenig. Durch diese moderne, populär angesetzte Präsentation des großen Waldes und seines historischen und vor allem natürlichen, also typischen Potentials, wird versucht, die Bildung einer zeitgemäßen, regionalen Identität zu unterstützen und zugleich Grenzen zu überwinden.

Durch mehr Information über das Vorhandene, durch das Kennenlernen des Nachbarn, durch die Bildung von Begeisterung an der Natur und Kultur des großen Waldes kann auch die Kraft entstehen, zeitgemäßer, sachlicher, konstruktiver zu diskutieren, weniger rückwärtsgewandt, weniger reflektierend. Heimat wird verstanden als vorausschauende Gestaltung der persönlichen Umwelt unter der Berücksichtigung globaler Mechanismen. Nur das Wissen um die Eigenheiten kann Identität erhalten und nachhaltig weiterentwickeln. Dazu soll das Projekt WALD ein wenig mit beitragen.

Kontakt:

Ludwig Rahm
Liebenau 2
93499 Zandt
lrahm@t-online.de